Das Ende einer Legende

10.04.2008 von Nicolas

Discothek „Rockpalast“ gehört seit gestern der Vergangenheit an

VON MEINOLF PRAEST

Harsewinkel. „Was soll ich sagen? Ich bin einfach nur traurig.“ Atilla Afak (64) steht auf der Baustelle an der Münsterstraße und schüttelt konsterniert den Kopf. Unerbittlich setzt der Abrissbagger seinem „Rockpalast“ zu. In dem Schutt und Staub verschwindet nicht nur ein Gebäude. Afak: „Das hier ist das Ende einer Legende.“


Das Ende einer Legende

Die bekannte Discothek und Musikkneipe weicht – ebenso wie das Dom-Café – nach 29 Jahren zwei neuen Geschäftshäusern, die im städtebaulich attraktiven Bereich zwischen der Sparkasse und der Dom-Gaststätte. entstehen. Wie berichtet, wollen die niedersächsische Drogeriemarkt-Kette Rossmann und (als Untermieter) der Textildiscounter NKD bereits im Oktober ihre neuen Harsewinkeler Filialen eröffnen. Parallel wird die Dom-Gaststätte umgebaut und erweitert. Investor Udo Hemmelmann modernisiert das etwa 100 Jahre alte Gebäude – geplant sind eine Brasserie und ein Hotel der gehobenen Qualität, die neue gastronomische Akzente in der Innenstadt setzen sollen.

Der damit verbundene – und lange angekündigte – Abriss des „Rockpalastes“ lockte gestern etliche Schaulustige an den Bauzaun. Mit dabei auch Daniela Neubert (20) und Manuela Niehues (19) aus Harsewinkel, die wehmütig zusehen, wie Dieter Knemeyer im Bagger der Abbruchfirma Josef Weber (Georgsmarienhütte) routiniert zunächst dem Dom-Café und dann auch dem „Rockpalast“ zuleibe rückte. „Das ist der größte Mist“, schimpft Manuela Niehues. Sie war seit Jahren immer freitags und samstags Stammgast im „Rockpalast“. „Für uns war das hier am Wochenende immer ein fester Anlaufpunkt. Meine Freunde und ich, wir wussten, dass wir uns hier treffen würden.“ Und Daniela Neubert fügt hinzu: „Hier bricht was weg. Wo sollen wir denn jetzt in Harsewinkel hin? Hier ist doch nichts.“

Ex-Betreiber Atilla Afak hat als neues berufliches Standbein das „Nacht-Café zur Tödheide“ in Bielefeld-Brake eröffnet. Seine Familie – Ehefrau Christel und Tochter Yasemin Meral – und er, die nach wie vor in Marienfeld leben, würden damit „über die Runden kommen“. Weiterhin nicht gut zu sprechen ist Afak auf die Harsewinkeler Bürgermeisterin: Sabine Amsbeck-Dopheide (SPD) habe sozusagen als Erste Hand an den „Rockpalast“ gelegt, als sie mit sofortiger Wirkung eine Sperrzeitverlängerung von 5 auf 2 Uhr nachts verfügt habe. Afak hat damals erfolglos Widerspruch eingelegt – seit drei Jahren liegt der Streit vor dem Verwaltungsgericht Minden, ohne dass eine rechtskräftige Entscheidung gefallen wäre.

Und so sorgt denn als letzte Instanz ein Abrissbagger für vollendete Tatsachen. Joseph Heitmann (44), der immer mal wieder Wasser auf den vom Bauschutt aufsteigenden Staub sprüht, geht davon aus, dass sich die – wegen des Kleesamenmarktes am vergangenen Wochenende ohnehin verschobenen – Abrissarbeiten bis in die nächste Woche hinziehen werden. Denn immer wieder muss der Schutt durchsortiert werden – Metalle, Stahlträger beispielsweise, bringen beim Schrotthändler immer noch gutes Geld ein . . .

© 2008 Neue Westfälische
Gütersloher Zeitung, Donnerstag 10. April 2008



Hier kannst Du Deine Meinung hinterlassen.

5 Kommentare to “Das Ende einer Legende”

  1. Detlef Says:

    Hallo Stammtischbrüder, wie ist es mit Stammtisch-Aktiv.
    Wir wollen ja zum Stoppelmarkt. Ich brauche mal Fakten wieviel Leute mitkommen wollen !

  2. Nicolas Says:

    Doppeltonno um 4:00 gibt’s schon lange nicht mehr. Siehe Sperrzeitverkürzung im Bericht. Seit geraumer Zeit nur noch bis 2:00. Warst wohl schon lange nicht mehr nach 02:00 draussen ;-)

  3. Musie Says:

    Keine Doppeltonno mehr ab 4 Uhr morgens?!

  4. Elvis Says:

    Oh Mann,was wird uns der fehlen!!und erst die toiletten!!

  5. Nicolas Says:

    Damit unsere Auswärtigen keinen Schock bekommen, wenn sie wieder mal nach Harsewinkel kommen ;-)